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Antidepressivum und Frischzellenkur

[17.06.09] - Ungewöhnlich und eigenwillig sind seine Klangmalereien, stilistisch nicht einzuordnen und deshalb auf ihre Weise einzigartig. Von fünf Gitarren umringt, die nach und nach zum Einsatz kommen, bereitet der Ausnahmemusiker Martin C. Herberg, der seit fast 35 Jahren auf der Bühne steht, Klassiker der U- und E-Musik kunstvoll elektronisch auf und nimmt die Besucher im Theater Atrium in seinem Programm "Gitarren Total" mit auf eine fantastische Reise durch exotische Länder wie Spanien, Russland oder Irland bis in die Weiten des Universums hinein. So jedenfalls muten seine schwerelos schwebenden sphärischen Klänge an, durch hallende Echoeffekte noch nachhaltiger in ihrer Wirkung, die manchmal beinahe wie Walgesänge anmuten. "Polarlicht", zum Beispiel ist so eine Klangreise in andere Sphären – Musik wie von einem anderen Stern.

Mit einem farbigen Stilmix aus Klassik, Flamenco, Blues, Rock und Boogie und großer Experimentierfreude unter Einbindung von elektronischen Effekten ist Herberg mit seinem ganz eigenen Stil inzwischen zum Kultgitarristen avanciert. Verbunden mit großen Emotionen verzaubert er mit filigranem Spiel, beschwört magische Stimmungen herauf und begeistert im nächsten Moment mit rasanten Tempi, wobei er teilweise durch Trommeln der Finger und der ganzen Hand auf dem Gitarrenkörper den Eindruck von Percussion erweckt und durch Erzeugen anderer Geräusche durch Bearbeiten der Saiten und Einsatz einer Mundharmonika ein ganzes Orchester heraufbeschwört. Und würde Herberg nicht sämtliche Techniken so virtuos beherrschen, hätten seine Klangfantastereien nicht diese enorme Aussagekraft.

Mit großem Einfallsreichtum bereitet Herberg sein Spiel akustisch auf, schrubbt auf den Saiten, lässt sie quietschen oder jaulen, sanfte und voluminöse Klänge unmerklich ineinander fließen und funktioniert seine Gitarre gar zur Zither um. Nach flauschigen und melancholischen Balladen zum Wegträumen wie "Like a feather", luftig leicht und sprudelnd, holt Herberg mit furiosen, wilden Rhythmen im rasanten Tempo eines Schnellzuges die Besucher in die Wirklichkeit zurück.

Bestes Beispiel dafür ist das schillernde "Paint it black" von den Rolling Stones. Dann und wann raunt, flüstert oder haucht Herberg mit rauchig gefärbter Stimme dazu, als ob er ein Geheimnis preisgibt. Herberg, der von der klassischen Ausbildung herkommt, aber auch in einigen Rockformationen gespielt hat, arbeitet mit allen Sorten von Klangmischungen, ist Meister der ästhetischen und romantischen Musizierweise, würzt manches mit Humor, wie zum Beispiel "Ragtime" und gibt sich wild und hemmungslos dem Rock 'n' Roll oder einem quirligen "High speed boogie" hin.
Herberg erzählt "seltsame" Geschichten, wie er selber sagt, zum Beispiel "Road Movie" vom Leben unterwegs oder vom faszinierenden Klangpanorama "Wasser". Authentisch hat Herberg die Quelle bis zur Mündung ins Meer, sogar mit Möwengeschrei, nachempfunden. Mit Herberg kann man abtauchen, gedanklich abheben und alles ringsumher vergessen. Seine Musik wirkt wie ein Antidepressivum und eine belebende Frischzellenkur zugleich.

Elfi Braschel in SÜDKURIER

[Presse-Ãœbersicht]

Tourdaten

15.08.20
Wuppertal
27.08.20
Born
29.08.20
Heiligengrabe OT Jabel
Lonesome Loser Records • Scheibenstraße 9 • 42115 Wuppertal